Dachdeckereifachschule in Aschaffenburg

Schon einige Jahre nach dem Kriege machten sich die heimischen Dachdeckermeister Gedanken über die Nachwuchsförderung. Lehrlinge waren eben so wenig zu bekommen, wie das Material, das die Dachdecker verschaffen sollten.
Die Mitglieder der Dachdeckerinnung Aschaffenburg haben dieses Problem in ihren Innungsversammlungen immer wieder aufgeworfen.
In der Innungsversammlung vom 21.11.53 wurde von den Mitgliedern der Beschluss gefasst, im kommenden Winter einen Lehrgang für den Dachdeckernachwuchs durchzuführen.
Sinn und Zweck des Lehrgangs sollte sein, die jeweiligen erworbenen Kenntnisse der Lehrlinge und Jung-Gesellen und auch der Meisterprüfungsbewerber auszubauen und zu vertiefen.
Flachdachmodelle

Die Dachdeckermeister Paul Beck sen., Josef Hornung, Matthäus Bauer, Ludwig Ott und Erwin Geibel wurden beauftragt, sich mit der Verwirklichung einer Dachdeckerfachschule zu beschäftigen.
Schon am 31.1.54 wurde versuchsweise eine Schulung in der Lagerhalle des Dachdeckermeisters Otter in Haibach durchgeführt. Diese erste von der Dachdeckerinnung Aschaffenburg ausgerichtete Schulung fand ein solch gutes Echo, auch von Seiten des Landesinnungsverbandes, dass die Dachdeckerinnung Aschaffenburg sich entschloss, im äußersten Zipfel von Bayern eine eigene Fachschule zu gründen.
Zu diesem Zweck wurde von der Schloss- und Gartenverwaltung im Schlossturm ein Raum angemietet.
Schulleiter wurde der damalige Obermeister Paul Beck sen., zugleich Fachlehrer für Schieferdeckung. Weitere Fachlehrer waren Josef Hornung für Schieferdeckung und für die Ziegeldeckung Erwin Geibel.
Als Schulausschussmitglieder stellten sich zur Verfügung, die DDM Wilh. Müller, Matthäus Bauer, Anton Otter und Rudi Brotmerkel.
Schieferarbeiten

Dank der materiellen und finanziellen Spenden der Innungsmitglieder sowie einiger Lieferanten war es möglich, den ersten offiziellen Schieferlehrgang im Februar 1955 abzuhalten. Zu diesem Lehrgang kamen Teilnehmer aus Nürnberg, München, Coburg, Regensburg, Bamberg, Schweinfurt und Aschaffenburg zusammen. Anschließend wurde der erste Ziegellehrgang mit 12 Teilnehmern aus dem Innungsbezirk Aschaffenburg abgehalten.
Die Schieferlehrgänge fanden einen so guten Anklang, dass die Dachdeckerinnung gezwungen war, die Schule von den Räumen im Schlossturm in einen größeren Gewölbekeller des Schlosses zu verlagern.

